Frankfurt: Wenn eine lokale Angestellte das Sagen im marokkanischen Konsulat hat
Majdi Fatima Zahra
Das marokkanische Generalkonsulat in Frankfurt ist längst nicht mehr nur eine diplomatische Anlaufstelle, die eigentlich die Interessen der marokkanischen Gemeinschaft in Deutschland vertreten soll. Nach Recherchen von Akhbarona Al Jaliya hat sich die Einrichtung in ein Machtzentrum mit undurchsichtigen Strukturen verwandelt. Die tatsächliche Autorität scheint weder beim Generalkonsul Khalifa Ait Chaib noch bei seinem Stellvertreter Ali Chaara zu liegen – sondern bei einer lokalen Mitarbeiterin: Azhar Al Adraoui. Diese, die eine familiäre Nähe zu Fassi Fihri für sich beansprucht, gilt mittlerweile als die eigentliche „Herrin des Hauses“.
Ein Konsul ohne Einfluss, ein Vize ohne Befugnisse
Ait Chaib, der bereits zwischen 2008 und 2011 in Frankfurt tätig war, wirkt nach Angaben mehrerer Bediensteter wie ein reiner Befehlsempfänger – ein „Stempel ohne eigene Hand“. Sein Stellvertreter Chaara wiederum bezieht seine Anweisungen nicht vom Konsul, sondern direkt von Al Adraoui. Ein Bruch mit jeder gängigen Verwaltungshierarchie.
Macht nach dem Vorbild von Idriss Basri?
Verschiedene Quellen berichten, dass Al Adraoui über sensible Dossiers verfüge, die kompromittierende Informationen über den Konsul und andere Mitarbeiter enthalten. Dieses „Erpressungskapital“ verschaffe ihr einen inoffiziellen Einfluss, der an die Methoden des berüchtigten Innenministers Idriss Basri erinnert. Selbst die ehemalige Generalkonsulin Bouthaina El Kardoudi soll sich bei zentralen Entscheidungen an Al Adraoui orientiert haben – ein Hinweis darauf, dass deren Macht längst institutionelle Dimensionen erreicht hat.
Fragwürdige Geschäftsbeziehungen
Die internen Probleme enden nicht bei der Verwaltung. Im Umfeld des Konsulats kursieren Hinweise auf zweifelhafte Verbindungen zur Geschäftswelt. Im Zentrum steht der marokkanische Händler Zerouali, der angeblich den Konsul, Al Adraoui und eine gewisse „Hajja Samira“ regelmäßig mit Lebensmitteln und Geld versorgt. Eine gefährliche Vermischung von privaten Interessen und öffentlichem Auftrag – in einer Einrichtung, die eigentlich die staatliche Autorität Marokkos repräsentieren sollte.
Weiß das Außenministerium Bescheid – oder schaut es weg?
Die entscheidende Frage lautet: Ist das marokkanische Außenministerium über die Zustände in Frankfurt informiert? Manche Beobachter sind überzeugt, dass Fouad Kadmiri, Direktor für konsularische Angelegenheiten, um die Missstände weiß, jedoch weder Zeit noch Willen hat, ernsthafte Untersuchungen einzuleiten. Erschwerend kommt hinzu: Die wenigen internen Prüfungen fanden offenbar online per Zoom statt – eine kaum ernstzunehmende Vorgehensweise angesichts der Schwere der Vorwürfe.
Das Ansehen Marokkos steht auf dem Spiel
Die Situation in Frankfurt ist längst kein bloßes Verwaltungsproblem mehr. Sie betrifft das nationale Interesse: das Vertrauen der marokkanischen Diaspora in ihre Institutionen. Wenn die aktuellen Zustände weiter toleriert werden, droht ein erheblicher Schaden für das Ansehen des marokkanischen Staates in Deutschland – und die mühsam aufgebaute diplomatische Glaubwürdigkeit in Europa.